{"id":2558,"date":"2015-05-25T15:17:00","date_gmt":"2015-05-25T15:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/80.74.142.100\/plesk-site-preview\/sipp.swiss\/https\/80.74.142.100\/blog-artikel\/schweigen-in-der-sprechstunde-11\/"},"modified":"2021-06-04T16:17:48","modified_gmt":"2021-06-04T16:17:48","slug":"schweigen-in-der-sprechstunde-11","status":"publish","type":"blog","link":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/blog\/schweigen-in-der-sprechstunde-11\/","title":{"rendered":"Schweigen in der Sprechstunde"},"content":{"rendered":"<p>Eindr\u00fccklich, ergreifend und faszinierend, was wir gemeinsam heute erlebt haben. Unsere mongolischen Kolleginnen und Kollegen haben uns f\u00fcr den ersten Arbeitstag eine Sprechstunde zusammengestelt, die uns verstummen liess. \u00dcber zwei Dutzend Kinder wurden uns vorgestellt, die meisten davon an schweren H\u00fcftst\u00f6rungen leidend. Viele davon sind nicht Opfer einer H\u00fcftdysplasie (DDH), sondern von schweren Infektionen, die ein oder mehrere grosse Gelenke betroffen und bei vielen sozusagen den H\u00fcftkopf &#8220;weggefressen&#8221; haben. Sie alle werden von unseren Orthop\u00e4den Harry und Pascal in den verbleibenden 10 Tagen betreut und hoffentlich vor lebenslanger Behinderung bewahrt. Wir alle sind beeindruckt und um es in den Worten des f\u00fcr die Ostschweiz zust\u00e4ndigen obersten Kinder-Knochenschlossers, Harry, zu sagen: &#8220;was wir heute an einem Tag gesehen haben, erlebt unsereins sonst in drei Jahren&#8221;.<br \/>\nF\u00fcr die Kinder\u00e4rzte in der Runde bleiben zwei wichtige Erkenntnisse: Pr\u00e4vention ist absolut priorit\u00e4r und wir tun wirklich etwas Gutes &#8211; indem wir vielen kleinen Mongolen f\u00f6rmlich auf die F\u00fcsse helfen!<br \/>\nAnspruchsvoll gestaltete sich w\u00e4hrend der Sprechstunde vor allem auch die m\u00f6glichst ganzheitliche Anamnese. Eine Fallot-Tetralogie verhindert so zum Beispiel aufgrund des an\u00e4sthesiologischen Risikos eine gr\u00f6ssere H\u00fcftoperation. Unterst\u00fctzend hilft zur Erg\u00e4nzung der Anamnese jeweils das heute von uns beobachte, spektakul\u00e4re Ganzk\u00f6rper-R\u00f6ntgen ap und lateral (siehe Bild) bevor der Patient \u00fcberhaupt entkleidet wurde. Am Ende des Tages wurde eine herausfordernde &#8220;temptative agenda&#8221; f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Wochen erstellt, um die Orthop\u00e4den in den OP zu verdammen, gewisse P\u00e4diater f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in die Pampa zu senden. Wir freuen uns auf \u00a0eine spannende und m\u00f6glichst effektive und einflussreiche Zeit im Land der grossen Reiter&#8230;<br \/>\nAuch im R\u00f6ntgen und auf der Abteilung staunen wir immer wieder \u00fcber das pathophysiologische (Un)Verst\u00e4ndnis. Die W\u00f6chnerinnen Abteilung darf von keinem Angeh\u00f6rigen betreten werden und wir d\u00fcrfen nur mit recycleten Plastik\u00fcberschuhen eintreten. Aber sowohl die Neugeborenen wie auch die M\u00fctter laufen mit improvisiert abgest\u00f6pselten Venenkan\u00fclen herum, die US Untersuchung wird mit Handschuhen durchgef\u00fchrt, die aber nie sterilisiert, gewaschen geschweige denn gewechselt werden, dies auch nicht wenn sie mit etwas verschmiertem Mekonium in Kontakt kamen.\u00a0Auf Strahlenschutz wird gar keinen Wert gelegt oder sie wissen wirklich nicht, dass RxStrahlen irgendwann zu einem Problem f\u00fchren. Die bleierne T\u00fcr, vor welcher x Patienten warten, steht weit offen, die Eltern m\u00fcssen ohne Schutz ihre Kinder in der richtigen Position halten, es wird niemand gefragt ob sie ev schwanger ist und die MTRA macht ohne Dosimeter oder Schutz eine Aufnahme nach dem anderen. Als P\u00e4diater versuchen wir ihnen wenigstens beizubringen den Kindern bei der Beckenaufnahme einen Gonadenschutz hinzulegen&#8230;.wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass es auch in unserer Abwesenheit gebraucht wird.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1406,"template":"","class_list":["post-2558","blog","type-blog","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/2558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/2558\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2562,"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/blog\/2558\/revisions\/2562"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sipp.swiss\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}