Reise nach Zavkhan

Zum Abschied von UB erlebten wir strömenden Regen, der sich auf den Strassen zu riesigen Pfützen sammelte, durch welche die Autos ohne jegliche Rücksicht auf Fussgänger durchpreschten. Den Regen nahmen wir dann offenbar in den Westen mit, in den aimag Zavkhan, den wir unter Aufbietung aller unserer verfügbaren Geduld, das heisst, nach scheinbar endlosem Warten am Flughafen von UB schliesslich in einer gemütlichen, halbantiken Turbopropmaschine der Hunnu Air erreichten. Auf dem 28 km langen Weg vom Fluplätzchen in die Stadt goss es auch hier wie aus Kübeln, was der kargen Grasnarbe aber nur gut tun kann. Gäste, die Regen mitbringen, sind hier deshalb sehr beliebt: Es wird ihnen ein warmes Herz nachgesagt. Wir wurden in sauberes Hotel mit neurussischen Chic geführt und machten dann gleich einen ersten Besuch im Spital, wo wir erst die Kursteilnehmer und die Spitaldirektorin, anschliessend, frisch gefüttert, den Gesundheitsminister des aimags begrüssen konnten. Dieser ist ein orthopädischer Chirurg und hat deshalb von Hüftdysplasie eine Ahnung. Ob er allerdings nach den am 29. Juni stattfindenden Wahlen (Propagandaplakate sind überall zu sehen und Werbesprüche von mobilen Parteiequipen zu hören) weiterhin im Amt bleibt, kann man nicht wissen. - Zum Tagesabschluss bestiegen wir den "Hausberg", von dem die schöne Gegend mit mäandernden Wasserläufen, weiten Ebenen mit vielen Tieren und vereinzelten Gers (Jurten) und auch das Städtchen mit seinen farbenfrohen Häusern zu bewundern ist. Eine fotografische Illustration müssen wir unseren Lesern leider vorenthalten, da das lokale Internet nur im Schneckentempo funktioniert, sodass es diesen Datenmengen bei weitem nicht gewachsen ist. Nun ist es 23 Uhr und wird erst dunkel, durch das Hotel dröhnen herzzerrreissende Karaokegesänge und ohrenbetäubendes Rauschen von Duschen und Wasserspülungen. Gute Nacht!